Übersicht
- Was ist Translation Memory (TM)?
- Wie funktioniert Translation Memory?
- Warum sollte ich Translation Memory verwenden?
- Wo kann ich Translation Memory nutzen?
- Häufige Missverständnisse über Translation Memorys
Was ist Translation Memory (TM)?
Ein Translation Memory ist eine zweisprachige Datenbank mit Begriffen, Phrasen, Sätzen und Absätzen, die bereits übersetzt wurden. Im Grunde bündelt es all deine bestehenden Übersetzungsdaten, damit du sie in zukünftigen Projekten wiederverwenden kannst und dir doppelte Arbeit sparst.
Stell dir ein Translation-Memory-System wie ein zweisprachiges Wörterbuch vor – und dich als dessen Kurator. Das Wörterbuch wächst jedes Mal, wenn es beim Übersetzen neuer Inhalte neue Segmente erkennt.
Wie funktioniert Translation Memory?
Translation Memory speichert Sprachdaten paarweise. Ein Ausdruck oder Satz in der Ausgangssprache hat eine entsprechende Übersetzung in der Zielsprache. Jedes Paar nennt man eine Translation Unit.
Du kannst deine Translation Memorys als TMX-Datei (kurz für Translation Memory Exchange, den Branchenstandard) oder als Excel-Datei verarbeiten und übertragen.
Wenn du einen Text mit einer Übersetzungssoftware übersetzt, arbeiten deine Translation Memorys im Hintergrund und markieren übereinstimmende oder ähnliche Segmente. Anschließend schlagen sie dir frühere Übersetzungen vor.
Das können 100%-Matches sein, bei denen dein neuer Inhalt Segmente enthält, die mit denen aus einem früheren Projekt identisch sind. Hier kannst du fast immer die frühere Übersetzung wortwörtlich übernehmen.

Vorschläge aus Translation Memorys können auch Fuzzy Matches sein. Das sind Übereinstimmungen mit einem Ähnlichkeitsgrad von weniger als 100 %. Wahrscheinlich kannst du die frühere Übersetzung aus deiner Datenbank nicht wortwörtlich wiederverwenden. Du kannst sie aber abrufen und an den neuen Inhalt anpassen.

Natürlich können Translation Memorys und Fuzzy Matches viel ausgefeilter sein als die Beispiele, die wir hier genannt haben. Die von dir verwendete Übersetzungssoftware kann bei der Suche nach Übereinstimmungen in deinen Translation Memorys auch Kontext, Satzzeichen, Wortstellung und unterschiedliche Schreibweisen analysieren.
Hier findest du einen ausführlichen Leitfaden dazu, was Übersetzungssoftware alles für dich tun kann.
Vorteile von Translation Memory

Um die Nutzung von Translation Memorys bei der Lokalisierung zu verdeutlichen, stell dir vor, du musst einen Möbelkatalog übersetzen.
Jedes Jahr wird der Katalog aktualisiert – mit neuen Preisen, neuen Produkten und überarbeiteten Produktbeschreibungen. Das bedeutet, dass du bei jedem Update eine Mischung aus Textsegmenten hast, die:
- mit denen im Katalog vom letzten Jahr identisch sind
- leicht vom Katalog des letzten Jahres abweichen
- komplett neu sind
Solltest du alles von Grund auf neu übersetzen? Oder solltest du den Katalog manuell auf Ähnlichkeiten und Unterschiede prüfen? Am produktivsten ist es, Translation Memorys zu nutzen – und zwar aus folgendem Grund:
1. Schneller arbeiten, Zeit sparen
Die Translation-Memory-Software hebt identische Matches automatisch hervor und kennzeichnet Fuzzy Matches zur weiteren Bearbeitung.
So musst du nicht selbst „Finde den Unterschied“ spielen und hast mehr Zeit, dich auf neue Segmente zu konzentrieren, die du noch nie übersetzt hast.
2. Konsistente Inhalte erstellen
Ein Translation Memory sorgt dafür, dass du nie zweimal das Gleiche übersetzen musst. Das kann ein Slogan sein, den dein Unternehmen in der gesamten Kommunikation verwendet, oder eine komplexe Übersetzung, die als Referenz für zukünftige Projekte dient.
3. Kosteneffizient arbeiten
Wenn du eine Datenbank mit Translation Memorys aufbaust, musst du für zukünftige Lokalisierungsprojekte nicht unbedingt einen professionellen Übersetzer engagieren. Du kannst einen Text mit deinen Translation Memorys vorübersetzen und anschließend einen Kollegen bitten, ihn zu prüfen und zu bearbeiten.
Die Wiederverwendung früherer Übersetzungen ist kostenlos! Was soll ich noch sagen?
4. Daten zentralisieren
Vielleicht musst du auf ein früheres Projekt aus einer anderen Abteilung zugreifen? Mit einer Translation-Memory-Software kannst du alle Übersetzungsdaten deines Unternehmens an einem Ort aufbewahren. Nun kann jedes Teammitglied bei der Lokalisierung neuer Inhalte ganz einfach relevante Segmente nachschlagen.

Hier findest du weitere Statistiken zu Translation Memorys.
Wo kann ich Translation Memory nutzen?
Ein Translation Memory allein ist keine Software, mit der du Dateien übersetzen kannst.
Da es sich um eine Datenbank handelt, musst du sie in eine computergestützte Übersetzungssoftware wie Redokun hochladen und dort verwenden.
Hier siehst du ein Beispiel aus dem Webeditor von Redokun, der den Originaltext und die Übersetzung übersichtlich nebeneinander anzeigt.
Ein Translation Memory erscheint unter dem Übersetzungsfeld und zeigt an, dass eine 100-prozentige Übereinstimmung mit einem früheren Projekt besteht.

Hier würdest du einfach die frühere Übersetzung kopieren und so anpassen, dass sie zum neuen Inhalt passt.
Um effizienter zu arbeiten, kannst du ein Dokument auch anhand identischer Segmente in deinen Translation Memorys und im neuen Inhalt vorübersetzen. Hier gibt es zwei optionale Stufen der Vorübersetzung: 100%-Treffer mit gleichem Kontext und 100%-Treffer.
Gleicher Kontext bedeutet einfach, dass die übereinstimmenden Segmente im alten und neuen Inhalt auch von demselben Text umgeben sind. So sieht die Vorübersetzung im Webeditor von Redokun aus:

Die Vorübersetzungsfunktion fügt automatisch alle zu 100 % übereinstimmenden Segmente in die Übersetzungsfelder ein, sodass du das nicht manuell tun musst (noch wichtiger ist, dass dies auch bei der Übersetzung verschiedener Dateiformate möglich ist, etwa von InDesign- und Office-Dokumenten wie Word-Dokumenten, Excel-Tabellen und PowerPoint-Präsentationen).
Welche Übersetzungsprogramme eignen sich 2021 am besten für Unternehmen? Hier erfährst du es.
Häufige Missverständnisse über Translation Memorys
Missverständnis Nr. 1: Translation Memorys sind unzuverlässig, weil sie eine Art maschinelle Übersetzung sind.
Translation Memory bietet zwar Automatisierung, darf aber nicht mit maschineller Übersetzung verwechselt werden. Translation Memorys basieren auf der Arbeit echter Menschen, die frühere Projekte übersetzt und freigegeben haben.
Mit anderen Worten: Du sammelst und bündelst die Arbeit, die du möglicherweise bei einem Übersetzer oder jemand anderem in deinem Unternehmen in Auftrag gegeben hast.
Die daraus entstehende Datenbank ist wie eine Goldmine, in der du frühere Übersetzungen ausgraben und kostenlos wiederverwenden kannst.
Missverständnis Nr. 2: Translation Memorys sind für mein Unternehmen nicht nützlich, weil sich unsere Texte nicht wiederholen.
Unabhängig davon, ob sich deine Texte wiederholen oder nicht, können Fuzzy Matches trotzdem hilfreich sein. Das gilt besonders für Sprachpaare mit ähnlicher Wortstellung (z. B. Englisch-Malaiisch).
In solchen Fällen kann man mit Fuzzy Matches schneller übersetzen. Segmente mit ähnlichem Satzbau können dem Übersetzer oder Korrekturleser als Bausteine dienen.
Außerdem gilt: Je weiter du deine Translation Memorys ausbaust, desto umfangreicher werden deren Inhalte. Dabei wird es zwangsläufig gewisse syntaktische Wiederholungen geben, auf die du beim Übersetzen neuer Inhalte zurückgreifen kannst.
Lies unbedingt mehr darüber, wie eine Translation-Memory-Software den Übersetzungsworkflow verbessert – besonders, wenn mehrere Teams und Abteilungen beteiligt sind.
Zusammenfassung
Translation Memorys sind deine wichtigsten Ressourcen für die Lokalisierung. Sie beschleunigen deinen mehrsprachigen Workflow und sorgen für Konsistenz in all deinen Lokalisierungsprojekten.
Außerdem musst du durch den Aufbau eines Translation Memorys seltener einen professionellen Übersetzer engagieren, wenn neue Inhalte lokalisiert werden sollen.
Im Grunde ist es „Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln“ … nur eben für Übersetzungen.
Ich hoffe, dieser Artikel hat dir geholfen,
Shu Ni





